Archiv für Juni 2010

ACAB / Karl der Cop reloaded

Breitbeinig trat Karl der Cop auf seine Veranda und betrachtete sich bewundernd in einer Pfütze auf dem Gehweg. Er zog seinen Hängebauch ein und versuchte sich noch etwas breiter zu machen. In seiner Uniform fühlte er sich stark und mächtig. Stark und mächtig wie an dem Tag als er der Polizei von Tabasco beigetreten war. Karls Unterhose zwickte und er verfluchte seine Mutter, die ihm schon wieder nicht die bequeme Unterwäsche rausgelegt hatte. Hätte er es doch bloß noch bis zur Toilette geschafft am Vortag. Dann wäre seine Lieblingsunterhose jetzt nicht in der Wäsche.
“Karlchen.Vergiss deine Brote nicht!” Karls Mutter stand in der Tür und winkte mit seinem Frühstücksbrot. Wortlos nahm er die Tüte und ging zu seinem Dienstwagen. Die Unterhose zwickte nicht mehr. Er wusste, heute würde ein guter Tag werden…


Tja, ich schätze mal, wir haben dafür gesorgt, dass Karl einen guten Tag hatte. Auf dem Rückweg nach Acapulco sah uns Karl bei der Ortsdurchfahrt von Puebla und zog uns raus. Zuerst war es nur eine ganz gewöhnliche Kontrolle, genau wie viele andere davor. Aber es wurde recht schnell klar, dass Karl sich ganz gerne noch etwas Geld dazu verdienen würde. Nachdem er Gary und seine Papiere ausführlich kontrolliert hatte und nichts finden konnte, hat er sich einfach kurzerhand etwas erfunden. Unsere “Permiso de Importacion”, die wir für Gary extra beantragt haben wäre von dem Grenzbeamten falsch ausgefüllt worden und deshalb ungültig. Lange Rede, kurzer Sinn: 4500 mexikanische Eier  (ca 300 Euro) Strafe oder Knast.
Also geht wieder das übliche Rumdiskutieren los und Karl, der unbefriedigste und dickbäuchigste Streifencop vom Grünflächenamt Puebla, lässt uns erst abziehen als er sich sicher ist, dass er all unser Bargeld (ca 750 Pesos) als Bestechung eingesackt hat. Es ist ja nicht so, dass wir zum ersten Mal mit Knast und Strafen konfrontiert sind, aber dieses Mal waren wir ausnahmsweise unschuldig. Ich hoffe, dass Rissen mit seiner Karma Theorie Recht behält und der gute Karl in den nächsten Tagen an seinem Frühstücksdonot erstickt ist oder sich wenigstens einen Tripper bei seiner Lieblingsnutte eingefangen hat.

Damit Karl auch kein Schwerenöter entwischt, fährt ein Großteil des Grünflächenamtes den neuesten Charger. Außerdem sorgt das für soziale Gerechtigkeit, während der Rest der Bevölkerung Pferdekutschen bewegt....

Glücklicherweise ist seit dem “Karl Incident” eigentlich nichts mehr in dieser Richtung vorgefallen und je weiter wir wieder Richtung Norden kommen, desto öfter werden wir auch wieder bei Kontrollen durchgewunken. Könnte allerdings auch daran liegen, dass die Mexikaner der Meinung sind, dass drei Muchachos in einem Bus völlig ohne Muchachas auf jeden Fall schwul sind und somit keine Bedrohung darstellen – Slider Style eben.

Danger on the tracks

Cancun stinkt. Macht aber nix, wir haben ja sowieso Stadtverbot. Damit der amerikanische Otto-Normaltourist sich auch wohlfühlt wurde nämlich hier auch das Biertrinken auf der Straße verboten. Nur am Strand ist es erlaubt, “No Fun Zone light” also. Im Rest des Landes würden solche Gesetze sofort mit einem Sturz des verantwortlichen Bürgermeisters geahndet. Gluecklicherweise gibts in der Region aber auch noch ein paar unberuehrte Flecken Land, die (noch) nicht mit 30 stoeckigen Pauschaltouristenbunkern bepflastert wurden. Also haben wir uns die Gründung der Beer Miliz gespart und uns einfach aus dem Staub gemacht. Nur ein paar Besatzungswechsel wurden vorgenommen: Chief Kief nahm sich Urlaub von der Streunerfront und wurde mit HairRissen alias “Der Engländer” ersetzt. Der Engländer besticht vor allem durch seine Hartz6 Doppelrip-Badelatschen Kombo und eine überhöhte Moskitoanzugskraft. Wir waren also gut gerüstet für den Abstecher ins Reservat.

In Sian Ka’an war dann auch wieder alles so wie es sein sollte. Die Strände leer, die Leute freundlich und die Straßen schlecht. Wenn im Reiseführer schon steht, dass man am Besten ein Allrad Fahrzeug benutzt, sollte man eben nicht mit einem 4Tonnen Schneckenhaus ankommen. Deshalb wurde dann auch nach etwa der Hälfte des Weges Station gemacht und beschlossen am nächsten Tag einfach ins Dorf zu trampen. Warum wir dort hin wollten wusste keiner so recht, wir haben uns wahrscheinlich einfach schon zu viel an die völlige Sinnfreiheit gewöhnt. Gesagt getan, nach 20min Daumen raus hält bereits ein Texas Hillbilly, der seit 10Jahren dort wohnt und uns bereitwillig mit dem Hinweis “You might not get back…” auf der Ladefläche von seinem Pickup mitnimmt. Der Cowboy bläst über den Dirttrack wie Schumi auf Koks und so haben wir nach einer knappen Stunde schon das kleine Fischerdorf erreicht. Ein kaltes Bier im Schatten und ein paar Flachköpper vom Steg später wollen wir eigentlich auch schon wieder zurück, das Problem ist nur: Außer Hunderten Krebsen ist kein Schwein auf der Straße. Man hätte also einfach in dem Ort nächtigen können, aber da ist ja noch die Sache mit der Sinnfreiheit: Wird uns schon jemand aufgabeln. Eine gute Stunde und ca. 7000 Moskitostiche später sehen wir die Sache schon anders. Der Engländer wird von Moskitos umschwärmt wie eine Jungfrau auf nem Kutter voller ausgehungerter Seemänner und auch eine Forbewegungsweise, die nach einer Mischung aus japanischer Kampfkunst und Breakdance aussieht ändert daran nichts. Verfolgt von Moskitogeschwadern marschieren wir im Endeffekt fünf Stunden bis wir gegen elf Uhr unsere Behausung erreichen. Am nächsten Tag können wir nur noch über die Aktion lachen (und unseren geschundenen Gehapparat ruhig stellen). Vier Gringos die wie von der Terantel gestochen 25km durch die nächtlichen Mangrovenwälder der Lagune hetzen……

Cocktailpiraten der Karibik

Wir haben es tatsächlich geschafft und nach knapp 10.000 Kilometern und etlichen stunden Fahrerei Cancun erreicht. Wie ein Ami letztens schon treffend festgestellt hat: A hell of a trip! Die Strände sind zwar wie erwartet weiß wie unsere ungebräunten Hintern und das Wasser türkis blau, aber irgendwie ist die Stadt ein ziemliches Touriloch und taugt eigentlich zu nicht mehr als Feiern gehn (das geht allerdings vorzüglich). Und vielleicht noch verhaftet werden, aber dazu später mehr.

Auf dem Weg nach Cancun lagen noch ein paar schicke Wasserfälle und einige Maya Tempelanlagen. Die Tempelanlagen waren recht schnell abgehakt. Ist zwar ganz imposant was die Jungs da vor langer Zeit an Steinen gestapelt haben, aber dann doch irgendwie alles sehr ähnlich und vor allem überlaufen. Der Urwald mit den Wasserfällen war allerdings der Oberhammer zum Schwimmen und Rumfaulen. Affen gehören eben in den Wald. Obwohl unsere erdnussgroßen Gehirne schon so weit verkümmert sind, dass wir sicherlich unterhalb der Affen anzusiedeln sind.

Da uns der gute Gary langsam aber sicher nicht mehr komfortabel genug ist, haben Matz und ich Gestern unsere Morgentoilette in einem fünf Sterne Hotel genossen. Wenn man sich dann schonmal reingesneaked hat und sich an die Annehmlichkeiten von 40-lagigem Toilettenpapier in klimatisierter Umgebung gewöhnt hat, kann man auch gleich noch eine Runde im zugehörigen Pool drehen. Viel besser kann es dann nur noch werden, wenn man sich auch noch an der zugehörigen Poolbar Pina Colada aufs Haus bestellt. Leider fällt man in solchen Fällen als El Zechprello don Promillo von Zeit zu Zeit auf und dann heißt es: Gehe nicht über Los, ziehe keine 4000DM ein, gehe direkt ins Gefängnis! Da hat auch unser Sprint im Jack Sparrow Stil quer durch die Lobby nichts geholfen. Allerdings konnten wir der 36 stündigen Inhaftierung im Gefängnisturm entgehen, indem wir gekonnt die Herren vom mexikanischen Grünflächenamt bestochen haben. Vier Cocktails für knapp hundert Euro muss man sich auch erstmal gegönnt haben. Das schreit nach einigen Stunden Deck schrubben zur Finanzierung. Vielleicht wäre der Kerker da die billigere Lösung gewesen….



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