Da wir ganz spontan noch Verstärkung von einem weiteren streunenden Köter bekommen haben (der zur Sicherheit ohne Schlafsack und Isomatte auf Tour gefahren ist), lief unsere Mexiko Einreise dann doch etwas anders ab als erwartet. Aus dem Land der Zuckerlimonaden, supersize Menus und Donut Bullen raus, direkt in den Drogenmolloch Tijuana. Man hat ja im Vorraus schon viel übles über die Grenzregion gehört, aber so hätte das sicher keiner von uns erwartet. Die Grenze ist in Richtung Mexiko weniger kontrolliert als die public restrooms in amerikanischen Kleinstädten. Die scheinen hier wohl einfach keine Angst vor illegalen Immigranten aus den USA zu haben. So kommt es auch, dass wir völlig perplex erstmal sowohl unsere tourist cards als auch das car permit vergessen haben. Die Grenze war einfach vorbei, bevor wir sie bemerkt hatten. Danach heißt es dann: Entfernung Grenze – dritte Welt, 1km. Die Straßen sind eher als Kiesgruben zu bezeichnen, Lampen oder Fahrbahnmarkierungen sucht man vergebens und das Auto mutiert zum Schlaglochsuchgerät. Vielleicht war es auch nicht die beste Idee, nach gefühlten 4Mio Warnungen niemals in Mexiko nachts Auto zu fahren, um Mitternacht eine Tijuana Stadtrundfahrt zu machen. Ließ sich aber nicht vermeiden, wir mussten schließlich den Köter vom Flughafen abholen. Wir haben es jedenfalls geschafft und sind nach zwei Stunden Schlaglochslalom, Dirtroad Rallye und WoIstdieVerdammteSchnellStraße Schnitzeljagd unbeschadet aus Tijuana rausgekommen. Gepennt wurde dann am Straßenrand in Strandnähe, Tradition verpflichtet schließlich.
Am nächsten Tag dann die erste Erfahrung mit stinkfaulen und schlecht gelaunten mexikanischen Staatsbeamtengringos. Unsere vergessenen tourist cards bekamen wir zwar, für die car permit müssen wir allerdings zurück zur Grenze. Macht ja nix, wo man hier für 200km schonmal 5 Stunden fährt. Das Leben ist eben ein Handschuh.

Im Moment sind wir gerade am wahrscheinlich geilsten Bowl der Welt. Richard, ein Ami, der hier eine Mexikanische Frau geheiratet hat, hat sich in der Nähe von Ensenada, direkt am Pazifik ein kleines Skate und Surfparadies erbaut. Am Arsch der Welt, mitten im Nirgendwo, bilden hier ein paar alte Wohnwägen, vergammelte Boote und ein paar Bretterbuden ein kleines Aussteigerdorf. Fließend Wasser und Stromnetz sind hier Fehlanzeige, aber wer braucht das schon, wenn er einen Bowl direkt am Meer, ein Sofa mit Ausblick auf die Bucht und genügend kaltes Bier im Eimer voll Eis hat. Das unfassbar große Walskelett vor der Tür tröstet über das stinkende Plumpsklo hinweg… Der Hinweg erinnerte allerdings mehr an Rallye Dakar als an europäisches Autofahren. Ich bin zur Offroad Wurst aufgestiegen und Gary musste seine PickUp Ursprünge unter Beweis stellen (mit etwas Schwung schafft er sogar nen Ollie). Da gute Sicht allgemein überschätzt wird, haben wir unsere Pfadfinder Kompetenzen natürlich bei Nacht erprobt und wurden auch spontan mit einer Übernachtung in der Botanik nach 3 Stunden Offroad umherirren belohnt. Womit wir auch schon wieder bei der Geschichte mit der Tradition wären.
Gestern Abend haben wir mit ein paar kalifornischen Surfern der älteren Generation unseren Biervorrat dezimiert. Coole Jungs, die in den 60ern die Anfänge des Skateboardfahrens mitbekommen haben und heute mit Mitte Fünfzig zusammen Surftrips machen und vor ihren Frauen flüchten. Einer von den Boyz, naheliegenderweise ein Japaner, hat uns noch die wahrscheinlich stilechteste Art gezeigt, Prost zu sagen: Bansai, Bansai, BANZAI! (“The third one always has to be the loudest one!”)

Nachtrag: Sitze gerade auf dem Parkplatz einer Mall in Ensenada und schnorre Internet bei einer lokalen Kaffeebude. Die letzten zwei Tage war das Tourende zum Greifen nah. Gary hat hart auf die Fresse bekommen und die Crew musste alles Geben um das sinkende Schiff zu retten. Schot und Mastbruch….